Stall Mainau im Rückblick:

Ein Qualitätsbegriff in der Dressurausbildung

Vor 60 Jahren waren da, wo heute der Stall Mainau steht, Wiesen, Ried und ein kleiner Fussballplatz des örtlichen Fussballclubs - kein Shoppingcenter, kein MCDonald, keine Rennbahn und keine Reitanstalten. Eine dressurbegeisterte, wohlbegüterte und alleinstehende Dame aus Zürich, Tilly Honegger, kaufte sich rund eine Hektare topfebenes Wiesland, projektiert mit Hilfe von Fachleuten und Dressurspezialisten eine Reitanlage und baute 1957, mit dem Segen der Gemeindebehörden Dielsdorf - zu jener Zeit natürlich noch ohne Zonenplan - einen Dressurstall mit 8 Boxen und ein Dressurviereck mit den internationalen Massen von 20 x 60 Metern. Nur das Beste war gut genug - Pferdeboxen mit Tonsteinböden zur besseren Isolation, isolierte Aussenwände, Selbsttränken und der Dressurplatz mit Drainage und Lava-Schlacke zur Entwässerung und einer grosszügigen Beleuchtung.

1959 folgte der Bau des Wohnhauses, ein stattliches Landhaus mit allem Komfort und einem grossen Dach ähnlich der Häuser in der französischen Normandie.

Das Ganze erhielt auch einen Namen: Stall Mainau. Dieser Begriff hatte nur indirekt zu tun mit der uns allen bekannten Blumeninsel Mainau im Bodensee: Die Besitzerin, Frau Tilly Honegger, besass eine talentierte Dressurstute, die Tochter aus der Anpaarung des europabekannten Vollblut-Hengstes Padischa der Familie Schwarzenbach, Gut Bocken, Horgen, und der international sehr erfolgreichen Springstute  "Mainau" von Hauptmann Christoph Stoffel, St. Gallen - und so kam der Betrieb zu seinem Namen Stall Mainau. Noch heute ziert das Kupfer-Pferd "Mainau" den Dachstuhl des Wohnhauses als Wetterfahne.

Natürlich brauchte der Dressurausbildungsstall auch sein qualifiziertes Fachpersonal, und dieses fand sich in der Person des deutschen Reitlehrers Hansjörg Renz - ein talentierter, qualifizierter und bald einmal auch in der Schweiz bekannter Dressurspezialist. Und wie das in diesen Kreisen üblich sein kann, ergab sich aus der Zusammenarbeit im beruflichen Bereich auch bald eine private Verbindung, und fortan hiessen die Besitzer des Stalles Mainau Herr Hansjörg und Frau Tilly Renz - Honegger.

Sportlich entwickelte sich der Stall Mainau bald einmal zu einer der 1. Adressen für Dressur in der Schweiz. Hansjörg Renz zählte mit dem Pferd Olymp von Oberst Kunz (Besitzer der Mühle Steinmann) zur Schweizer Elite und mit der Heirat durfte er als Schweizer Staatsbürger auch bald einmal an den Schweizermeisterschaften mitreiten.

In den Jahren 1961, 1962 und 1963 organisierte Familie Renz-Honegger auf dem Gelände des Stalles Mainau Internationale Turniere mit Dressur und Springen bis Klasse S - im Jahre 1963 fanden hier sogar die Schweizermeisterschaften Dressur Elite statt - zu jenem Zeitpunkt noch aufgeteilt in die beiden Kategorien A (Amateure: Siegerin Fräulein Marianne Gossweiler, Schaffhausen mit Stephan) und Kategorie B (Berufsreiter: Sieger Fw. Henri Chammartin mit Wolfdietrich). Der Hausherr Hansjörg Renz platzierte sich mit dem damals noch jungen Olymp auf dem 5. Rang. Also Novum wurde erstmals eine Dressurkür bei Flutlicht (mit einem Live-Streichorchester neben dem Dressurplatz) geritten.

   H.-J. Renz in Gesellschaft              Marianne Gossweiler                     Fw. Henri Chammartin

Im Bericht von Graf Rothirsch in der damaligen Reiterpresse wurde wörtlich erwähnt... "sehr sorgfältige Organisation, ein kleines Turnier mit internationalen Dressuren als Schwerpunkt und einer Dressurkür als Novum: Man erlebte eine Turniergemeinde, die wie eine grössere Familie wirkte".

Offensichtlich kostete der Betrieb mehr Geld, als eingenommen wurde. Hansjörg Renz verliess den Ort seines Wirkens eines Tages ziemlich überstürzt in Richtung Canada, wo er als Military-Trainer der kanadischen Equipe arbeitete, und er hinterliess eine organisatorische und finanzielle Ruine mit einer verzweifelten Tilly (Renz)-Honegger. Ihr blieb 1972 nichts anderes übrig als der Verkauf ihres so geliebten Stalles Mainau.

Käufer war die Familie Albert Falk, Liebhaber und Besitzer von Rennpferden. Der Stall Mainau verschwand nicht nur als Name, sondern auch als Dressur-Begriff. Die Stallungen wurden umgebaut, eine 4- Zi Angestelltenwohnung über dem Stall gebaut und das Dressurviereck kurzerhand humusiert mit einer Mini-Trainingsrennbahn rund herum. So wurde die Anlage jeweils nur von wenigen Rennpferden genutzt, und die Familie Falk konnte im Rennsport einige Erfolge aufweisen.

Markus Graf war in dieser Zeit als eidg. dipl. Reitlehrer und selbständiger Dressur-Ausbildner in einem Stallteil der Rennbahnstallungen zuhause. Der Stall Mainau schien ihm schon immer ein interessantes Objekt für seine längerfristigen Pläne. Die Verhandlungen mit dem Verkäufer waren keineswegs einfach und zogen sich über eine längere Zeit hinweg. Dann aber gings plötzlich vorwärts:

Oktober 2005:        

Kauf des Stalles Mainau durch Markus und Simone Graf-NäfProjektierung des Um- und Neubaues von Stallungen, Longier- und Führanlage, Dressurplatz und Wohnhaus

Dezember 2005:      

Baubeginn, Kauf von zusätzlichem Land von der Gemeinde Dielsdorf entlang der Grenze zur Rennbahn und der Parkplätze entlang der Niederhaslistrasse

Mai 2006:              

Die Pferde ziehen in die Stallungen ein, und die Familie Graf bezieht das total renovierte Wohnhaus. Die Umgebungsarbeiten und die

Weiden sind im Oktober 2006 abgeschlossen

Oktober 2013:        

Neubau Stalltrakt mit 6 Auslaufboxen und 5 Innenboxen mit Fenster und 2 Paddocks und Neugestaltung der Einfahrt

                                

März 2014:             

Einzug der Pferde im neuen Stalltrakt 

August 2016

Überdachung des bestehenden Reitplatzes

November 2016:    

Bezug der neuen Reithalle 20 x 60 m

Juni 2017:              

Wechsel von Einzelfirma zu GmbH

Dezember 2018:

Bau und Bezug der zwei neuen Ponyboxen (2-er Stalltrakt)